3-D-Druck im Hobby-Modellbau

3-D-Druck etabliert sich nicht nur in der Industrie, er findet auch immer öfter Verwendung im Hobbybereich.

Wangerooger 399 107 / 108, 3-D-Druck-Projekt, Foto: Hans-Jürgen Eicke, 2016

Das Modell, allerdings noch ohne geätzte „Schöma“-Schilder: 3-D-Druck-Projekt, Foto: HJE, 2016

In der aktuellen Ausgabe der GartenBahn (6/2016) beschreibt Hans-Jürgen Eicke ausführlich seine Erfahrungen mit dieser Produktionsweise. Am Beispiel der Wangerooger Diesellok 399 107 bzw. 108 geht er auf zahlreiche Einzelheiten ein. Hier im Blog wird das Projekt für Interessierte vorgestellt.

Der Weg zum 3-D-Druck

Wangerooger 399 107 / 108, 3-D-Druck-Projekt, Foto: Hans-Jürgen Eicke, 2016

… und das Vorbild: Wangerooger 399 107 / 108, Foto: Hans-Jürgen Eicke (HJE), 2015

Zur Person: Hans-Jürgen Eicke ist in Modellbauer-Kreisen wohl bekannt. Seine lange Erfahrung im Modellbau speziell auch mit der Computer unterstützen Entwicklung von maßstäblichen Teilen und Fahrzeugen münden schon seit Jahren immer wieder sehr erfolgreich in Projekte, in denen maßstäbliche Triebwagen, Diesel- und Dampfloks, sowie allerlei Zubehör entstanden. In der Zeitschrift Die GartenBahn sind viele seiner Projektbeschreibungen erschienen. Vielfach wurden die dabei von ihm entworfenen Teile in das Angebot von Kleinserienhersteller übernommen. Bisher kamen dabei Fertigungstechniken wie Gießen, Lasern, Ätzen und Fräsen zur Anwendung.

Ein Projekt anfangen, desinteressiert beiseite schieben und Mitstreiter auf der Strecke zurück lassen ist nicht die Sache von Hans-Jürgen Eicke. Projekte werden zuende geführt. Einmal gelerntes fließt in seine Arbeit ein, so wie er sich gerne neue technische Möglichkeiten für seine Projekte nutzbar macht.

3-D-Druck-Projekt Wangerooger 399 107 / 108, Foto: HJE, 2016

Ein Blick auf das nachgebildete Schaltpult, 3-D-Druck-Projekt Wangerooger 399 107 / 108, Foto: HJE, 2016

Daher greift er neuerdings auch auf den 3-D-Druck zurück. Nach einigen Experimenten mit Einzelteilen (MAN Triebwagen der SHE T 14 / T 37 der Härtsfeldbahn und dem Talbot T 44 des DEV) reifte in ihm die Idee, eine komplette Lok über dieses Druckverfahren zu erstellen: Die Wangerooger Diesellok 399 107, die er erst im Sommer 2015 selbst besucht hatte, allerdings ohne sie zu dem Zeitpunkt schon als Modell in Planung zu haben.

Spaßeshalber hatte er als „Fingerübung“ das Gehäuse am Computer nachgebildet. Aber einmal angefangen, ließ Hans-Jürgen Eicke diese Lok nicht los. So war es nicht verwunderlich, dass er sich dieses Modell noch einmal vornahm, um die 3-D-Technik einmal umfangreicher zu testen. Im Laufe weniger Wochen entstand so eine komplette Zeichnung und daraus ein betriebsfähiges Modell, das kurze Zeit danach auf den Gleisen die ersten Runden drehte.

Informativer Artikel

Dass es nicht allein damit getan ist, etwas am Computer zu entwerfen und dann auszudrucken, womöglich mittels einer der vielen auch für den Heimbereich angebotenen Geräte, wird in dem Artikel sehr deutlich. Daher wird in der Fachzeitschrift anschaulich beschrieben, wie sich unverhofft Probleme ergeben. Darauf wird auch Bezug genommen in einem weiteren Bericht derselben Ausgabe über das Projekt eines Talbot-Triebwagens, dessen  Gehäusebausatz ebenfalls von H.-J. Eicke entworfen wurde und teils im 3-D-Druckverfahren entstand.

Außerdem erfährt man im Artikel neben Daten zum Vorbild auch etwas über die Beschaffung der Zeichnungsunterlagen und die Unterstützung bei der Klärung von Detailfragen. Dabei bleibt offen, wieso mancher „Großserienhersteller“ von den gegebenen Möglichkeiten der Recherche so gar keinen Gebrauch zu machen scheint.

„Non Profit Projekt“: Wieviel Lok darf’s denn sein?

Die Vorlagenzeichnungen sind beim Dienstleister Shapways hinterlegt, einem professionellen 3-D-Druck-Anbieter, so dass jeder Interessierte die benötigten Kunststoff-Teile dort ordern und erstellen lassen kann. Wer bestimmte Kleinteile selbst fertigen will, muss nicht zwingend alles drucken lassen, denn jedes Teil kann individuell bestellt werden.

Die Kosten beinhalten lediglich den Preis für den reinen Druckservice, da Hans-Jürgen Eicke das Projekt unentgeltlich zur Verfügung stellt. Das ist inzwischen leider nicht mehr unbedingt üblich unter Hobbyisten.

3-D-Druck-Projekt Wangerooger 399 107 / 108, Foto: HJE, 2016

Details zur Auflösung des Druckverfahren, 3-D-Druck-Projekt Wangerooger 399 107 / 108, Foto: HJE, 2016

Nachmachen erwünscht

Darüber hinaus steht eine kostenlose und ausdruckbare umfangreiche Bauanleitung des Projekts zum Download bereit, in der alle Schritte beschrieben sind: Bei H.-J. Eicke wird der interessierte Hobbyist nicht allein gelassen, wenn er sich an den Zusammenbau macht.
Wer will, kann sich in der Anleitung sogar schon vorab umfassend über dieses Projekt informieren und erhält dabei alle notwendigen Links zu den Kleinserienhersteller, die die restlichen Teile zur Komplettierung dieser Diesellok anbieten.

Zum reinen Gehäuse kommen noch die Druckkosten für Fenster- und Zürüstteile , dem Motorblock und der Innenaustattung. Der Motor und weiteres Zubehör (z.B. Puffer, Lampen Bremsschläuche, Zahnräder, Radachsen) sowie die Beschriftung und geätzte Fabrikschilder (die hier auf den Bildern noch nicht montiert sind) müssen separat bezogen werden. Die entsprechenden Links werden in der herunterladbaren Bauanleitung genannt. Insgesamt kommt die maßstäbliche und detaillierte Lok entsprechend der Aufstellung in der GartenBahn auf einen Gesamtpreis von ca. 665,- EUR (Stand 10/2016). Das ist sicherlich nicht zu viel für ein (Kleinstserien-)Modell dieser Qualität.

Ausblick

Auf zukünftige Projekte angesprochen gibt sich Hans-Jürgen Eicke ein wenig verschlossen. Aber fasziniert sei er schon von dieser Technik. Viele Exemplare seiner bereits zahlreichen Modelle fahren auf Modellbahnanlagen. Aber es gäbe noch einiges an harzer Vorbilder, die sich mit angemessenen Aufwand gut verwirklichen lassen könnten und nicht so komplex seien wie sein aktuelles Dampflok-Projekt der Harz-Mallet 99 5903, bei dem 27 Modellbauer mitmachen. Triebwagen oder Dampflok? Für beides gäbe es eine Reihe von Interessierte. Darüber, so die Antwort, wolle er noch nicht sprechen, … also abwarten und Tee trinken.
Aber wer diesen regen Konstrukteur genauer kennt, weiß, wie schnell er dann doch fertige Lösungen präsentiert, wenn ihn ein Modell, eine Aufgabe einmal gefangen genommen hat.

Fazit

Der Artikel ist sehr lesenswert. Er erlaubt einen ersten Einblick in die 3-D-Drucktechnik anhand eines praktischen Beispiels, ohne lediglich über die Möglichkeiten im Hobbybereich zu theoretisieren. Nicht alles, was simpel erscheint, ist auch so einfach in der Durchführung.

Das Ergebnis selbst kann sich mit Modellen der Großserienhersteller messen, zumal man für diesen Preis eine maßstäbliche und sehr vorbildnahe Diesellok erhält, die vielen Nordseeurlaubern unter den Modellbahnern bekannt sein dürfte. Der Fahrstand ist detailliert nachgebildet. Es lassen sich Achsen eines Großserienherstellers verwenden, die allerdings etwas modifiziert werden müssen.

Dieses Projekt zeigt jedoch, wo (noch) die technischen Grenzen im 3-D-Druckverfahren liegen, insbesonder die Auflösung betreffend, wenn das Resultat für den durchschnittlichen Modellgartenbahner erschwinglich bleiben soll.

3-D-Druck-Projekt Wangerooger 399 107 / 108, Foto: HJE, 2016

3-D-Druck-Projekt Wangerooger 399 107 / 108, ohne Fabrikschilder, die erst später geliefert wurden. Foto: HJE, 2016

3 Gedanken zu „3-D-Druck im Hobby-Modellbau

  1. Hans-Jürgen Eicke

    Hallo
    diese Lok sollte einfach nur mal ein Versuch werden, wie teuer so etwas wird. Klar dürfte der Druck preiswerter werden, wenn ihn jemand auf seinem Heimdrucker nachvollzieht? Nur zu welchen Bedingungen. Mir kann keiner erzählen, dass er zu Hause einen Profidrucker stehen hat, wie ihn die Dienstleister nutzen. Qualität hat eben seinen Preis, da beißt die Maus keinen Faden ab, auch wenn das mancher der Gartenbahner nicht wahr haben will.
    Zur Weitergabe von Datei. Ich hätte kein Problem, diese so zu veröffentlichen, dass jeder darauf direkt zugreifen kann. Nur bin ich 100%ig davon überzeug, dass jemand mit einem Drucker diese dann nicht nur für sich und Freund zum „Nulltarif“ und nur gegen Material/Druckerzeit-Bezahlung nutzt. Man muss ja nur mal in bestimmten Blogs nachsehen, in denen Gartenbahnfreunde regelmäßig auftauchen, allerdings nur um mit Produkten zu werben. Der Gedanke des gegenseitigen Helfens wird leider immer geringer und es ist sogar grotesk, dass man bei solcher Hilfe von bestimmten Leuten als „schön blöd“ bezeichnet wird.
    Nun wurde es ja hier schon angedeutet. Als nächstes bietet sich ein kleiner Triebwagen aus dem Harz an und da gibt es ja nur den T1 der GHE.
    Da diese Lok von Wangerooge doch ein Vorbild hat, welches nicht so stark interessiert, wäre dieser Triebwagen sicher für einen großen Kreis von Gartenbahnfreunden interessant.
    Zur „Übung“ entsteht zur Zeit der Bausatz eines Güterwagens aus dem Harz, es könnte sein, dass der komplette Wagen unter 100 Euro bleibt .
    Grüße an die Druckerfreunde
    Hans-Jürgen Eicke

    Antworten
    1. Volker Urmoneit

      Hallo Herr Eicke,

      wäre es möglich, die gedruckten Teile der Wangerooger Lok über Sie zu beziehen?
      Genau diese Lok fehlt mir, deshalb wäre ich für eine kurze Rückmeldung dankbar.

      Viele Grüße

  2. Jörg Heckhausen

    Lieber Holger,
    herzlichen Dank für den ausführlichen und freundlichen Artikel zur Wangerooger Lok, an der ich augenblicklich baue. Alles genau, wie von dir beschrieben. Ich habe viel Bau und Bastelspass bei diesem Projekt. Mein Dank gilt Hans Juergen Eicke für seine unentgeldlich zur Verfügung gestelle Arbeitskraft und Energie. Ein echter Modellbaufreund !!!
    Liebe Grüße aus Neuss Jörg

    Antworten

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