LGB Neuheiten 2016 – Die EMD SD 40 als Pummelchen

Bei der Durchsicht der LGB-Neuheiten 2016 fiel eine echte Formenneuheit ins Auge, ein Klassiker der US-Dieselloks, die EMD SD 40.
Diese vielseitige Lok wurde von vielen Bahngesellschaften gekauft und bietet daher zahlreiche Farbvarianten für die ausgiebige Formenausnutzung.
Das Vorbild ist bei vielen Modellbahnern mit dem Thema USA beliebt, was den Hersteller USA Trains schon vor längerer Zeit bewog, ein Modell der nicht weniger erfolgreichen, optisch sehr ähnlichen Nachfolgebaureihe SD40-2 mit der Spurweite 45 mm und einen angegebenen Maßstab von 1:29 herauszubringen. Mehr davon aber weiter unten.

LGB zog nun nach und bietet das Modell eben des Vorgängers, die SD40, zum Listenpreis von 950 EUR incl. mfx/DCC-Sounddecoder an. Der Maßstab ist nicht weiter angegeben.

Erster Eindruck: Enttäuschende SD 40

Leider ist diese vom Vorbild her regelspurige Lok in das Maßstabsgemisch namens Spur G gepresst worden: Diese Spur ist zwar 45 mm breit, Längen-, Höhen- und Breitenmaßstäbe werden aber so variiert, dass das Produkt zu den bereits im Lieferprogramm befindlichen Wagons passen soll.

SD40 und V200 in originaler Produktgröße zueinander*:

SD 40 und V200 im direkten Vergleich und mit korrekter Länge der SD 40, Quelle: LGB, eigene Fotomontage

SD 40 und V200 im direkten Vergleich und mit korrekter Länge der SD 40, Quelle: LGB, eigene Fotomontage

Hielte man sich bei der LGB-SD40 zumindest an den Längenmaßstab von 1:22,5 müsste das Modell eine Länge von 88 cm aufweisen, in 1:24 (passend zur V200) immerhin 83 cm, in 1:29 noch 69 cm.

Mit 63 cm Länge über Puffer wurde allerdings ein Wert von 1:31 angesetzt, der natürlich nicht dem in der Höhe entspricht. Das Modell erscheint damit nicht nur pummelig, sondern ist tatsächlich stark gestaucht.

Im Vergleich zu der Skizze einer EMD SD 40 sieht man, dass von dem ursprünglichen Vorbild im Modell außer der Anzahl der Achsen nichts umgesetzt wurde.

SD 40 im korrekten Längenverhältnis zur Produkthöhe*:

LGBs SD 40 mit korrekter Länge bei gleicher Höhe, Quellen: LGB und Pacificbelt.com, eigene Fotomontage

LGBs SD 40 mit korrekter Länge bei gleicher Höhe, Quellen: LGB und Pacificbelt.com, eigene Fotomontage

Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn man das Vorbildfoto im LGB-eigenen Neuheitenkatalog mit dem nachfolgenden Modellfoto vergleicht. Der unverzagte und an alles mögliche gewöhnte LGB-Fan und -Sammler wird sich daran wohl nicht stören, ein US-Bahn-Fan, der die Lok von Fotos her kennt, wird eher zur SD40-2 von USA Trains und den dazu passenden Wagen greifen.

Empfehlung: SD40-2 von USA Trains

Wer diese Lok als wirkliches Modell auf seiner Anlage laufen lassen will, sollte sich bei USA Trains umschauen. Der amerikanische Hersteller USA Trains gibt für das Modell einer EMD SD40-2 (Nachfolgebaureihe, Rahmenlänge des Vorbilds mit 2098 cm und damit 96 cm Länger als die SD40, die Aufbauten selbst sind gleich lang) eine Länge v0n 70 cm und einen Maßstab von 1:29 an, der allerdings eine Länge von 72 cm ergeben müsste.

Die Ausführung ist – wie bei USA Trains üblich – sehr detailiert, der Mindestradius mit 120 cm (LGB-R3) doppelt so groß wie beim LGB-Modell (LGB-R1). Zwar ergibt sich auch hier in der Breite eine Maßstabsverzerrung (1:32 in der Spur), aber durch die bessere Gesamtumsetzung bleibt die kraftvolle Ausstrahlung des Vorbilds erhalten im Gegensatz zur LGB-Neuheit, die bestenfalls einen Spielzeug-Charakter unterstreicht.

USA Trains Modell EMD SD40-2

USA Trains SD40-2, Quelle: USA Trains

USA Trains SD40-2, Quelle: USA Trains

Mit einen Listenpreis von 580 EUR wird das USA Trains-Modell zwar analog ausgeliefert, Lok- und Sounddecoder können aber nachgerüstet werden, so dass man für deutlich weniger Geld ein detailliertes und dennoch Freiland taugliches Produkt erhält.
Will man nicht selbst umbauen, bietet RD-Hobby den Einbau eines auf dieses Modell abgestimmten DCC-Decoders von Digitrax incl. dem überzeugenden Sounddecoder von Phoenix zum Preis von 320 EUR gesamt an.
USA Trains Produkte sind auch in Deutschland erhältlich, u.a. bei
Modellbau König (usatrains.eu) und RD-Hobby (rd-hobby.de).


Alle Preise vom 18.01.2016 im jeweiligen Shop abgerufen.

*Da es sich hinsichtlich der Spur ohnehin um G (wie Gummi) handelt, ist es schwierig, die geknautschten Maße miteinander zu vergleichen. Ich wähle daher drei Vergleiche:

  1. Die zu vergleichende Lok A in Produktgröße zu einer anderen Lok B
  2. Die zu vergleichende Lok A im korrekten Längenverhältnis zur Lok B
  3. Die Lok A im korrekten Verhältnis zu sich selbst bei gleicher Höhe.

Diese Methode ist allein abhängig von der Länge des Modell und der Länge des Vorbilds, die beide in der Regel bekannt sind.

4 Gedanken zu „LGB Neuheiten 2016 – Die EMD SD 40 als Pummelchen

  1. Bernhard

    Danke für die Hinweise. Die LGB kommt für mich auch nicht in Frage, doch finde ich kaum Hinweise auf die reale Bauqualität der USA Trains Lok. Hast du diese selbst im Einsatz?

    Antworten
    1. Gatz Holger

      Hallo Bernhard,

      die SD40 habe ich auf Ausstellungen in Betrieb gesehen. Selbst habe ich von USA Trains die F3 A/B Units (Warbonnet). Der von USA Trains verwendete Kunststoff wirkt leichter und spröder als der von LGB. Meine Lok ist schon das ein oder andere Mal draußen im Split gelandet, was der Lackierung weniger ausgemacht hat als den nicht angeklebten Anbauteilen. Diese Zurüstteile sollten im Garten nicht montiert oder zumindest festgeklebt werden. Auch ist auf den Mindestradius zu achten. Meine F3 konnte ich zwar durch LGB-R1-Weichen „quälen“, sie braucht für einen reibungslosen Betrieb den vom Hersteller empfohlenen R3.
      Die F3 ist nach meinen Erfahrungen aussreichend robust für den Freilandeinsatz. Das Gehäuse erscheint zwar leichter als die der LGB-Loks, ist aber montiert stabil genug. Die Lackierung ist fein ausgeführt. Die Handläufe der SD40 sind aus Metall.
      Ich kenne eine Reihe von Modellbauern, die USA Trains Antriebe in ihren Modellen verwenden. Bisher habe ich von ihnen nichts negatives gehört, wie auch ich bisher keine Probleme mit den Antrieben selbst hatte. Die Motoren der SD40 haben im Gegensatz zur F3 eine Schwungmasse. Lediglich die Befestigungsnase für die Schleifer könnten etwas stabiler sein, denn wenn sich die Schleifer bei einen Unfall im Gleis verhaken, besteht die Gefahr, dass eine Nase abbricht und der Schleifer herausfällt, samt Spiralfeder.

  2. Wolfgang

    Es ist alles ja noch viel schlimmer, als es hier beschrieben wurde. Das Modell ist nichts anderes als eine Schmalspurdiesellok der White Pass and Yukon, der einige andere Teile und eine andere Lackierung verpasst wurden.
    Die Lok hat mit einer SD40 nichts gemeinsam, außer vieleicht der grundsätzlichen Form.
    Deine Maßstabsvergleiche habe ich einfach überlesen, bringt nichts.
    Insofern der Kategorie „für Spiel- und Spaßbahner“ mit dem Hintergrund „großvolumige Worte des Herstellers“ zuzuordnen.
    Zumindest ist diese Lok noch eine gute mechanische Konstruktion aus LGB-Zeiten.

    Antworten
    1. Holger Gatz Beitragsautor

      Hallo Wolfgang,

      danke für deinen Kommentar, insbesondere für den Hinweis auf die LGB Alco. An die hatte ich garnicht gedacht. Bei der LGB „SD40“ ist soviel verquer, dass es ohnehin nur eine Lok „nach amerikanischer Art“ ist.

      Maßstabsvergleiche in „G“ sind sicherlich sinnlos, wenn man sich das Gemisch einmal anschaut.
      Mit meinen Längenvergleichen und den Bildmontagen versuche ich zu zeigen, wie absurt die Modelle mitunter aussehen, wenn man sie denn wenigsten auf die richtige Länge zueinander bringt. Da die V200 wohl bei den Modellbahnern hinreichend bekannt ist, dient sie als „visueller Anker“.

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